unterwegs
im Mutterhaus der Salvatorianer
Im Oktober vergangenen
Jahres richtete P. Karl Hoffmann SDS, Generalsuperior der
Salvatorianer, eine formelle Einladung an Papst Johannes
Paul II. zu einem Besuch des Mutterhauses an der Via della
Conciliazione.Ein Besuch des Papstes am Grab P. Jordan's
würde ein sehr passender Abschluss zu den
Jubiläumsfeierlichkeiten für den Gründer
sein, schrieb P. Karl im Brief an Johannes Paul
II. Am vergangenen 19.
März dann, am Fest des Hl. Josef, der grosse Tag: der
Heilige Vater schaut nicht nur zu einer Kurzvisite herein,
sondern bleibt auch zum Essen! Eine lustige Anekdote
allerdings steht am Anfang der Diskussion um den
Papst-Besuch im Mutterhaus. P. Tadeusz Styczen SDS, der
Nachfolger Karol Woytila's als Inhaber des Lehrstuhles
für Ethik an der Universität von Lublin und
langjähriger guter Bekannter des Papstes, machte
letzten Sommer in einem Gespräch mit Johannes Paul II.
über die Jubiläumsfeierlichkeiten von P. Jordan
eine Bemerkung. Er sprach die unmittelbare Nähe des
Mutterhauses zum Vatikan an. Darauf reagierte der Papst
seinerseits mit einer Andeutung: «Wenn das so ist,
warum laden Sie mich nicht einmal zu einem Besuch
ein?» Zusammen mit den beiden
Generalaten der Patres und Schwestern Salvatorianerinnen
verbrachte der Papst einige Minuten in Stille vor dem Grab
in der Gründer&endash;Kapelle.In der nebenanliegenden
Hauskapelle versammelte sich die ganze Hausgemeinschaft zum
Treffen mit dem Heiligen Vater. P. Karl Hoffmann
begrüsste ihn mit den Worten: «Wir sind Ihre
Nachbarn. In Ihrer Aufgabe, der Welt im neuen Jahrtausend
das Heil zu bringen, können Sie sich auf uns als wahre
Mitarbeiter verlassen.» Anschliessend richtete der
Papst selbst das Wort an die Anwesenden. Seine Rede ist auf
diesen Seiten abgedruckt. Die Gemeinschaft des
Mutterhauses war sehr geehrt, Johannes Paul II. willkommen
zu heissen. Sie ist sich auch des besonderen Grundes dieses
Papstbesuches bewusst - um vor dem Grab unseres
Gründers Franziskus Jordan zu beten. Dieser Besuch ist
eine weitere offizielle Anerkennung für die Wichtigkeit
und Gültigkeit des Charismas von P. Jordan für
unsere Gesellschaft und für die Kirche. Diese
Anerkennung wird sicher helfen, die Seligsprechung weiter zu
bringen und P. Jordan weit herum bekannt zu
machen.
Es ist mir eine grosse
Freude, heute mit euch, den Mitgliedern der Gesellschaft des
Göttlichen Heilandes, zusammen zu sein, und ich danke
Pater Hoffmann für seinen freundlichen Willkommensgruss
Ich grüsse euch alle in der Liebe des Erlösers.
«Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater,
und dem Herrn Jesus Christus» (Röm
1,7). Heute machen wir eine
kurze Pause auf unserem Weg der Fastenzeit und feiern das
Fest des hl. Josef, des Gatten der sel. Jungfrau Maria und
Patrons der ganzen Kirche. Die Betrachtung von Josefs
Haltung, des liebevollen Schutzes und der Fürsorge
gegenüber Maria und dem Jesuskind liefert eine Art
Rahmen für meinen Besuch bei euch an diesem Nachmittag.
Ähnliche Empfindungen fanden sich nämlich bei
eurem Gründer, Pater Franziskus Maria vom Kreuz Jordan,
an dessen Grab ich gerade gebetet habe, denn er war voller
Ergebenheit gegenüber der Mutter unseres Herrn und
voller Eifer für Christus und seine Kirche. Dieser
Eifer und diese Ergebenheit führten Pater Jordan dazu,
bei seiner Rückkehr nach Rom aus dem Heiligen Land
zusammen mit zwei weiteren Priestern seine Gelübde
abzulegen und den Namen Franziskus Maria vom Kreuz
anzunehmen. So entstand die Gesellschaft des Göttlichen
Heilandes; sie ist seitdem gewachsen und hat das
gnadenreiche Werk seines Apostolats in alle Erdteile
gebracht. Es fällt nun euch zu,
liebe Brüder und Schwestern, die Vision P. Jordans,
nämlich Christus als Heiland der Welt bekannt zu
machen, weiterzuführen. Ja, auf der Schwelle zum
dritten christlichen Jahrtausend haben die heutigen
Männer und Frauen mehr denn je das Bedürfnis nach
diesem Wissen und dieser Wahrheit, die sie befreien wird
(vgl. Joh 8,32). «Das ist das ewige Leben: dich, den
einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du
gesandt hast» (Joh 17,3). Durch das Zeugnis eures
Engagements und durch das Beispiel eurer unermesslichen
Grossherzigkeit und Liebe &endash; wie sie schon vom hl.
Josef und von eurem Gründer gezeigt wurden &endash;
wird die Welt immer mehr von ihrer Unterjochung durch
Sünde und Tod befreit, wird das Evangelium mit
grösserem Enthusiasmus und grösserer Kraft
verkündet, wird der Glauben zunehmen und wird die
Kirche selbst in Heiligkeit und Gnade wachsen. Diese
Ereignisse sind einem sicher, wenn man sein Leben dafür
einsetzt, dass andere den Glauben und die Hoffnung
haben. Daher rufe ich auf alle
Salvatorianer den Schutz des hl. Josef herab; dies ist am
heutigen Tag, der dem Gedenken an den Nährvater unseres
Herrn gewidmet ist, besonders angezeigt. Durch seine
machtvolle Fürsprache bete ich dafür, dass ihr
auch in Zukunft ein beredtes und treues Zeugnis für das
Charisma von Pater Franziskus Maria vom Kreuz ablegt, dass
ihr von einer starken Liebe zu Christus und seiner Kirche
und von grosser Hingabe an seine selige Mutter erfüllt
seid; und dass euer Leben des selbstlosen Dienens &endash;
vor allem unter den Jugendlichen und in den Missionen
&endash; auch andere dazu anrege, immer vollkommener am
Glauben festzuhalten, damit sie «das Wort Gottes
hören und es befolgen» (Lk 11,28; vgl. Mt 1,24),
Der Überreiche Segen des allmächtigem Gottes sei
allezeit mit euch!

in Rom am 19. März 1999