Eine zweite Heimat im Busch |
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P. Gabriel Kamienski SDS |
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Wisst Ihr, wo Nakapanya liegt? Es wird sicherlich für Euch nicht einfach sein, dieses kleine Dorf in Tansania auf der Landkarte zu finden. Hier befindet sich die Pfarrei, in der ich die letzten zehn Jahre gearbeitet habe. Nakapanya ist eine Siedlung unweit der Grenze zu Mozambique, in der Tunduru &endash; Masasi Diözese. Man kann auf zwei verschiedenen Wegen diese Ortschaft erreichen, der eine schwieriger als der andere. Wenn Ihr vom Indischen Ozean kommt, sind es 250 Kilometer einer sehr schlechten Strasse, die man bewältigen muss. Ja, in Tansania sollte man lieber Europas Autobahnen vergessen. Wenn Ihr vom Westen kommt, via Songea, der grössten Stadt dieser Region, sind es mehr als 340 Kilometer einer Schotter-Sandpiste, die nicht viel besser ist als die andere. |
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Bevor ich meine Arbeit im Jahre 1988 hier angefangen habe, wurden die Dörfer dieser Gegend von den Priestern der Diözese Tunduru betreut (die Entfernung betrug 70 Km Buschweg). Der Besuch an den Gottesdiensten war vor allem bei diesem schlechtem Weg sehr unregelmässig. In den späten Achtziger Jahren fragte Bischof Polycarp Pengo (heute Kardinal-Erzbischof von Dar es Salaam) die Salvatorianer, ob sie die Seelsorge im Gebiet zwischen den zwei Flüssen Muhuwezi und Lumesule übernehmen würden. Da wir Salvatorianer in diesem Gebiet schon seit Mitte der Fünfziger Jahre tätig sind, dies in Zusammenarbeit mit den Priestern der Diözese, haben wir zugesagt. Als Antwort auf die wachsende Zahl geistlicher Berufungen Mitte der Siebziger Jahre, haben die Salvatorianer in Namiungo schliesslich ein Bildungshaus eröffnet. Seit diesem Datum haben wir diesem Gebiet, das uns anvertraut wurde, eine besondere Bedeutung beigemessen. Grosszügige Spende aus der Schweiz Gleich im Jahre 1988 habe ich mit der Organisation der Pfarrei begonnen. Nun, es war sehr schwer am Anfang, denn ich wollte sofort mit dem Entwurf der Kirche starten. In dieser Zeit habe ich eine ungeheure Hilfe von den Benediktinern (sie waren früher für dieses Gebiet verantwortlich) aus der Ndanda Abtei bekommen. In der Anfangszeit der Organisation der Pfarrei und des Kirchenbaues genoss ich eine grosse und unschätzbare Mitwirkung von Seiten des deutschen Benediktinerbruders Peter. Mittlerweile haben wir sofort mit zwei weiteren Bauten begonnen, das Pfarrhaus und das Noviziat. Bisher haben wir vier Gruppen von Novizen ausgebildet. Seit zwei Jahren wird das Noviziat von P. Africanus Lokilo, einem Tansanier, geleitet. In diesen Arbeiten wurde ich immer von den Mitbrüdern meines Ordens kräftig unterstützt. Dank finanzieller Hilfe des Päpstlichen Missionswerkes der Kinder aus Aachen und einer überaus grosszügigen Spende einer Wohltäterin aus der Schweiz, konnte ich vor zwei Jahren beginnen, einen Kindergarten zu bauen. Ich bin glücklich darüber, dass der Kindergarten seit Ende Juli letzten Jahres geöffnet ist. Jetzt können 150 Kinder aus den zwei Dörfern Nakapanya und Namakambale betreut werden. Ursprünglich war eine Aufnahme von 80 Kindern geplant, aufgrund einer sehr hohen Nachfrage jedoch, haben wir die Plätze auf 150 erweitern müssen. Es sind bisher zwei Kindergärtnerinnen zur Betreuung der Kinder engagiert, aber es wird wahrscheinlich notwendig sein, die Kinder in drei Gruppen einzuteilen und noch eine dritte Kindergärtnerin zu beschäftigen. Weil die Kinder von acht Uhr in der Früh bis abends im Kindergarten bleiben, brauchen sie mindestens eine Mahlzeit in dieser Zeit. So wird zudem eine Köchin beschäftigt. Die Eltern bezahlen eher eine symbolische Gebühr für den Kindergarten von 300 tansanischen Schilling pro Kind und Monat, was weniger ist als eine Mark (1 DM = 345 tansanische Schilling!). |
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Leben in der Minderheit Zur Pfarrei P. Gabriels gehören neun Dörfer, die auf einer Landfläche von 60 mal 80 Kilometer verstreut sind. Die Pfarrkirche und Pfarreiverwaltung liegen an der Grenze zwischen zwei Dörfern, die Nakapanya und Namakambale heissen, mit insgesamt 5000 Einwohnern, von denen nur etwa 300 zu den Katholiken gehören. |
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Im gesamten, von den Salvatorianern betreuten Gebiet leben zwischen 15'000 und 20'000 Menschen, aber nur wenige davon sind katholischen Glaubens. Diese Situation ist teilweise auf die Präsenz und auf den damit verbundenen, grossen Einfluss des Islams zurückzuführen. Die Bevölkerung Tansanias ist zu 48% islamischen Glaubens. Die Christen andererseits gehören mehreren, nicht katholischen Glaubensgemeinschaften an.Aus diesem Grunde ist die pastorale Arbeit in dieser Provinz nicht die leichteste, aber es ist notwendig für die Gemeinschaft, eine gute Betreuung bieten zu können. |
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Selbständigkeit im Busch Zu meinem Aufgabenbereich gehört es, mindestens zwei mal im Monat jede der Aussenstationen zu besuchen. In jeder dieser «zamu» arbeiten Katecheten in den lokalen Grundschulen. Sie bereiten Kinder zur Erstkommunion, zur Konfirmation, wie auch die Erwachsenen zur Eheschliessung vor. Ein Bruder hilft mir bei meiner pastoralen Arbeit hier und ist verantwortlich für die Organisation und Durchführung des katechetischen Unterrichts. Mein Chefkatechet ist gegenwärtig Bruder Sebastian Ngua. Interessiert Euch, wer meine pastorale Arbeit hier finanziert? Die Antwort ist einfach! Ich bin sowohl ein Priester, als auch ein Bauer. Die Pfarrei besitzt etwa 200 Hektar Busch, den wir zu bestellen versuchen, die Hauptpflanzen sind Mais und Cashewbäume. Das macht uns unabhängig in unserem Leben und unserer Missionsarbeit und ist eine Art von Selbständigkeit. Die Bevölkerung hier ist bitter arm und lebt von einer traditionellen und primitiven Landwirtschaft. Die Menschen haben keinerlei Maschinen und benutzen keine Kunstdünger, denn diese sind zu teuer. Sie verwenden natürliche Dünger und selbstgebaute Werkzeuge. Die Erde ist nicht besonders fruchtbar und die Erträge sind von den jeweiligen Regenfällen abhängig. Die lange Trockenperiode ist mit grossen Einschränkungen und mit Fasten verbunden. Dazu kommen Schäden, die durch wilde Tiere, insbesondere durch Wildschweine, Affen und Elefanten verursacht werden. Löwen sind hier ziemlich selten, trotzdem haben sie im Jahre 1997 zwei Bauern auf dem Feld getötet. Enorme Bereicherung Nichtsdestoweniger bin ich mit der Arbeit der letzten zehn Jahre sehr zufrieden. Für mich ist es eine grosse Genugtuung, mit den Menschen hier mitzuarbeiten, ihnen zu helfen bei der Lösung der täglichen Probleme und Sorgen. Es macht mir sehr viel Freude, zu sehen, dass meine Missionsarbeit eine Würdigung und Anerkennung in der Bevölkerung findet. Meine über zehnjährige Arbeit in Nakapanya und meine Teilnahme am Leben hiesiger Menschen haben mich enorm bereichert. Dieses Land ist zu meiner Heimat geworden, hier fühle ich mich wohl! Ich grüsse meine Leser sehr herzlich und danke allen, die unsere Missionsarbeit unterstützen. |
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